Acabion – Die Mobilität der Zukunft?
Bei der Betrachtung des wachsenden Autoverkehrs stellt sich ein jeder früher oder später die Frage, ob dieser mit den Prinzipien der Nachhaltigkeit vereinbar ist. Und jeder, der schon mit einem Kleinstauto unterwegs war, muss bemerkt haben, dass die Mehrzahl unserer geliebten Autos viel zu groß und ineffizient ist, sprich sie verbraucht viel zu viele wertvolle weil, endliche Ressourcen und belastet zudem die Umwelt.
Das Auto wiegt ein Vielfaches dessen, was es in aller Regel transportiert, nämlich uns Menschen. Auch vor dem Hintergrund der radikal wachsenden Weltbevölkerung von 6.5 Milliarden auf voraussichtlich 10 Milliarden und der stetig voranschreitenden Verstädterung muss sich die Menschheit überlegen, wie sie sich ihre Mobilität bewahren will, ohne sich weiter an der Umwelt zu versündigen. Einer, der sich dieses Themas annimmt, ist Dr.-Ing. Peter Maskus.
Dr.-Ing. Peter Maskus, Bioniker und Unternehmer, wurde 1960 in Göttingen geboren. Er studierte Maschinenbau, Ökonomie und Bionik in Aachen, Braunschweig und Berlin. Er promovierte im Jahr 1990 an der TU Braunschweig zum Dr.-Ing. und wirkte viele Jahre als Automobilbau-Ingenieur und Unternehmensberater u. a. bei Porsche, Mercedes-Benz und Toyota sowie in Projektarbeiten u.a. auch für BMW und Ferrari. Heute arbeitet er als Unternehmer, Autor und strategischer Berater und berät Individuen und Firmen in Fragen wirklicher, radikal kreativer Innovationen. Gemeinsam mit der Unternehmensberaterin und Ingenieurin Lenka Mikova betreibt er in Luzern die Innovationsberatung MIKOVA Systems und das Innovations-Unternehmen Acabion, das sich auf bionische Hochleistungssysteme spezialisiert hat. Ein Beispiel ist das globale, solar-elektrische und über 550 km/h schnelle, individuelle Verkehrssystem ›Acabion‹. Das dazugehörige Hochleistungsfahrzeug entstand seit 1986 und ist heute bereits in der siebten Fahrzeuggeneration. 2008 gewann das visionäre Acabion den Zukunftsaward des deutschen Zukunftsinstitutes in der Kategorie bester Prototyp.
Völlig problemlos fährt das Acabion auf jeder heutigen Straße, auf Wunsch auch mit Allradantrieb bei Eis und Schnee. Dank seiner perfekten aerodynamischen Effizienz begeistert es nicht nur wegen der Beschleunigung und einer Fahrdynamik, die selbst den stärksten Automobilen für alle Zeit verschlossen bleibt. Es überzeugt auch im Stadtverkehr. So braucht es schon bei 20 km/h nur einen Achtel der Energie eines Elektro-Smarts. Aus einer kompakten Lithium-Ionen-Batterie kann das Acabion bei einer Geschwindigkeit von 100 km/h über 1.000 km weit fahren. Und das ohne Hybridantrieb oder Range-Extender. Es löst damit die Probleme heutiger Elektroautos in Bezug auf Reichweite und bietet gleichzeitig eine Lösung für die globale Massenmobilität.
Die Entwicklung des Acabion zeigt deutlich auf, wie weit und radikal Innovation gehen kann und muss. Ob das Gefährt das Straßenbild von morgen prägen wird oder nicht, wird die Zukunft zeigen. Auf jeden Fall aber dient es heute schon in seiner funktionalen Radikalität als Anschauungsobjekt dafür, was echte Innovationen ausmacht. Und es verdeutlicht, wohin die Reise gehen muss, um den menschlichen Fortschritt voranzutreiben und gleichzeitig die bisherigen Verhaltensmuster, nämlich ›wertvolle Ressourcen völlig sinnlos zu verschwenden und dabei noch die Klimabilanz der Erde zu zerstören‹, zu ändern.
Doch stellen wir uns die Frage, warum die sogenannten echten, ›das heißt hinreichend radikalen Innovationen‹ nicht schneller unsere Gesellschaft durchdringen und somit der Wirtschaft und Umwelt zu Gute kommen. Hier spielen unterschiedliche Faktoren eine wichtige Rolle. Radikale Innovationen sind meistens das Werk von Außenseitern und diese stoßen auch heute noch bei dem Versuch, ›sich gegen die träge Masse durchzusetzen‹, sehr schnell an ihre Grenzen. Es geht Zeit ins Land, bis die Mehrheit erkennt, welche Vorteile und Möglichkeiten sich durch eine akzeptierte Innovation ergeben. Auch die Entdeckung und Beherrschung des Feuers hat wahrscheinlich erst einmal Angst und Ablehnung bei der Mehrheit hervorgerufen.
Aus unserer heutigen Sicht und die Vergangenheit betrachtend leben wir jetzt auf einem hohen Entwicklungstand. Wir genießen die Früchte der bisherigen Innovationen, auch derjenigen, die mittlerweile kritisch hinterfragt werden müssen (Atomkraft, weitestgehende Erdölbasierung unserer Ökonomie, CO2-Ausstoß, Ressourcenverbrauch usw.) und wollen oder können uns nicht vorstellen, dass unser gegenwärtiger Entwicklungstand nochmals einen radikalen Schub bekommen kann. Dr. Maskus schlussfolgert in einem seiner Bücher: »Je höher der Entwicklungsstand der Gesellschaft ist, desto mehr sträubt sich die Mehrheit gegen entscheidende Weiterentwicklungen und wehrt sogar dringend erforderliche Veränderungen irrtümlich als ›zu riskant‹ ab. So werden dringend erforderliche Effizienz- und Leistungssteigerungen verpasst und die natürlichen Lebensgrundlagen nachfolgender Generationen gefährdet.« Dabei darf nicht unerwähnt bleiben, dass die Meinungsbildung der Mehrheit von Weltkonzernen, die in machtvollen Lobbys organisiert sind, stark beeinflusst wird. Denn keine ›Branche‹ lässt sich gerne ihren angestammten Markt und damit Ihre Gewinne nehmen, nur weil ein genialer Innovator eine vermeintlich neue Technologie entdeckt hat. Um beim Acabion zu bleiben, kann man hier die Frage stellen, warum unsere exzessive Form der Mobilität fortgeführt wird, obwohl schon ausgereifte, nachhaltige und menschenfreundlichere Verkehrskonzepte vorliegen. Einige Mobilitätsforscher befassen sich schon intensiv mit innovativer, umweltverträglicher Mobilität. Solange uns aber suggeriert wird, die Zukunft müsse zumindest sehr ähnlich aussehen wie die Gegenwart, weil die Techniken der Gegenwart im Prinzip schon gut genug sind, und solange der Leidensdruck nicht groß genug ist, wird alles so weiter laufen, wie es ist.
»Um dieses Dilemma aufzuheben, bedarf es einflussreicher, in ihrer Meinung unabhängiger Leute und des erklärten politischen Willens, Innovationen, die dem Wohle der Gesellschaft, in wirtschaftlicher und in natur- und ressourcenschonender Hinsicht dienen, schneller zum Durchbruch zu verhelfen«, sagt Maskus.