Die Geschichte der Weltausstellung. was sagt sie uns heute?

Die erste Exposition Mondiale eröffnete Königin Victoria von England am 1. Mai 1851 in London. Die Idee dazu stammte von ihrem Mann Prinz Albert. Seiner Vision zufolge sollten 95 Nationen ihre neuesten Entwicklungen aus Industrie und Technik im legendären Kristallpalast des Gartenarchitekten Sir Joseph Paxton vorstellen. Die Menschen sollten erfahren, wie sich Arbeitsabläufe im Zeitalter der Schwerindustrie durch Erfindungen vereinfachen ließen. Damals bildeten die Bereiche Maschinen, Rohstoffe, Erfindungen und Bildende Kunst die Schwerpunkte der Ausstellung.

Obwohl Prinz Albert festlegte, dass England die Hälfte der Ausstellungsfläche zusteht und die anderen 94 Nationen sich die restliche Fläche zu teilen haben, setzte die Weltausstellung erstmalig einen interkulturellen Austausch in Gang.

Im Laufe der Jahrzehnte wurden in 29 Städten Sensationen wie die Dampfmaschine, der Reißverschluss, der elektrische Stuhl, das Hybridauto, der Tonfilm und die elektrische Schreibmaschine dem staunenden Publikum präsentiert. Entwicklungen wie das Telefon, die Glühbirne, das Wahrzeichen von Paris -der Eiffelturm- oder der Barcelona-Pavillon weckten das Interesse und die Neugierde der Menschen. Immer förderte die Weltausstellung Kreativität, Forscherdrang und Entwicklungsgeist der Nationen.

Die ganze Welt an einem Ort und dazu die neuesten technischen Errungenschaften: Das Konzept von Prinz Albert geht heute noch auf. Die Mischung aus Technik und Vergnügungspark lockt Millionen von Besuchern. In Shanghai werden 2010 70 Millionen Menschen zur Weltausstellung erwartet. Davon profitiert die Tourismusbranche, ebenso wie die kreativen Köpfe, die im Vorfeld der Ausstellung Konzepte entwickelt und diese vor Ort umgesetzt haben. Ein Jobmotor im nationalen und internationalen Austausch, der die Weltverständigung mobilisiert.

J. Paxton setzte mit seinem Crystal Palace Maßstäbe, die seinerzeit nur schwer zu übertreffen waren. Heute zeigt uns Shanghai ein vergleichbares Bild. Die Szenerie der Pavillons, die sich präsentierende Welt und das Motto: ›Better City, Better Life‹ treffen den Zeitgeist. Warum? China: 1,3 Milliarden Menschen, Streben in die Städte. Wohin führt dieser Drang nach Wohlstand, nach dem eigenen Auto, Kühlschrank, Handy und dem Eigenheim?

Die größte Weltausstellung aller Zeiten ›Better City, Better Life‹ mit dem zentralen Thema ›Leben in Metropolen‹ hat den Anspruch, uns Menschen zu sensibilisieren, feinfühlig und umsichtig gegenüber den Ressourcen zu machen, die unsere Welt noch für uns bereit hält.

Manche Länderpavillons haben das Thema lernbar und erkennbar gemacht. Die komplexen Prozesse der Urbanisierung auf unserem Planeten und die damit verbundenen globalen Herausforderungen sind intelligent und beschämend zugleich dargestellt. Sei es der tägliche Wasserverbrauch, der z.B. in Deutschland bei etwa 126 l/Kopf und in den USA bei ca. 865 l/Kopf liegt oder das nahende Ende der Kupfer-, Eisen- und Platinvorkommen. Die Bedrohung unseres Ökosystems, das Zerstörungspotential durch Verstädterung und der Raubbau an unseren Ressourcen – eindringlich wird der Besucher mit der Frage konfrontiert: »Will ich in Zukunft so weiterleben?« Und es werden Antworten geboten, auch wenn diese oft unbequem und einschneidend sind. Der Betrachter wird sich auf anschauliche Weise seiner Verpflichtung bewusst und erkennt Möglichkeiten. Innovative Lösungsansätze im nationalen und internationalen Kontext, individuelle Hinweise für umweltbewusstes Handeln im Alltag, technologische Entwicklungen und das Zusammenwirken von Politik, Unternehmen und Zivilgesellschaft zeigen Wege zur ökologischen Transformation unserer Zivilisation auf.
Es stellt sich dann noch die Frage: »Inwieweit ist eine EXPO zeitgemäß?«

Zurückblickend sind Exponate aus der alten und neuen Zeit zu Wahrzeichen, Gebrauchsgegenständen und wegweisenden Entwicklungen geworden. Heute zeigen uns einige Themenpavillons, wie wir unser Leben für nachfolgende Generationen lebbar machen können. Die Uhr scheint in manchen Lebensbereichen schon 5 nach zwölf zu zeigen, statt 5 vor zwölf. Ein Ansporn und Aufruf zugleich, bewusst mit offenen Augen zu leben und zu handeln. Warum läuft 3 Minuten während des Zähneputzens das Wasser? Wieso gibt es immer noch die Standby-Funktion an unseren elektrischen Spielzeugen wie TV, PC und Play Station? Die Energiesparlampe ersetzt die gute alte Glühbirne und spart Elektrizität. Das spart Atommüll, Wasser und natürliche Ressourcen.

Lassen Sie uns den Blick auf die Wichtigkeit und Nützlichkeit dieser Expo durch die Brille des größten Volkes der Welt betrachten. Die Chinesen sind mit extremer Wissbegierde und Neugier dabei, Dinge in ihrer Welt schneller und besser zu machen als es die Industrienationen getan haben. Mit einem Think-Tank von über 2.000 nationalen und internationalen Beratern aus den Top-Bereichen Forschung, Lehre, Politik, Wirtschaft und Kultur verfolgen sie akribisch dieses Ziel.

Von der Industrialisierung bis zum Versuch der Chinesen, die Welt zu einem besseren Ort zu machen, hat die Expo den Menschen Tür und Tor geöffnet. Ich empfehle jedem Leser, Neugierde für China mit seinen Menschen, Religionen, Kulturen und Landschaften zu entwickeln und die Expo in Shanghai zu besuchen.

(Elke Kerkhoff)

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