Unternehmenscompliance
Compliance wird in Unternehmen immer wichtiger, aber warum? Und was bedeutet eigentlich Compliance? Der Begriff stammt aus dem Englischen und bedeutet die Einhaltung von Regeln, Vorschriften, Gesetzen und Richtlinien. Dabei umfasst Unternehmenscompliance auch Datenschutz und Diskretion, die Vorbeugung und Aufdeckung von Bestechung, Korruption und Mitarbeiterdiskriminierung. Die Vermeidung von Interessenkonflikten, sowie die Schaffung von internen Regeln und Vorschriften betreffend Verhaltensweisen gegenüber Kunden und Geschäftspartnern gehören ebenfalls zu den Aufgaben der Compliance-Abteilung.
Warum eine ordnungsgemäße Compliance für Unternehmen von großer Bedeutung ist, beantwortet unseren avesco Transparent Lesern Frau Birgit Galley, Diplom-Kauffrau, Certified Fraud Examiner und Direktorin der School of Governance, Risk & Compliance der Steinbeis-Hochschule in Berlin.
Frau Galley, was sind die häufigsten Complianceverstöße in Unternehmen?
In der Finanzdienstleistungsbranche sind Geldwäsche, Terrorfinanzierung und Betrug gegen Kreditinstitute schon beinahe traditionelle Compliancethemen.
In anderen Branchen werden Complianceverstöße häufig auf Straftaten aus Kartellrecht und Korruption (i.d.R. Bestechung von Amtsträgern und Bestechung im freien Wettbewerb sowie Auslandsbestechung) reduziert. Aber auch viele andere Delikte sind compliancerelevant, wie z.B. Betrug und Untreue, oder Spionage respektive der Verrat von Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen, durch den wertvolles Unternehmens Know-how abfließt. In jüngster Zeit sind nicht zuletzt Verstöße gegen Datenschutzbestimmungen in das Blickfeld von Compliance gelangt. Schließlich können auch Verhaltensweisen, die den unternehmensinternen Normen und Werten zuwiderlaufen, als Complianceverstöße interpretiert werden. Mangelnde Compliance kann Unternehmen empfindlich treffen. So kann etwa durch den Verrat von Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen insbesondere in forschungsintensiven Bereichen die Arbeit ganzer Jahre zunichte gemacht werden, wenn die Forschungsergebnisse zur Unzeit in falsche Hände geraten.
Aber auch Untreuedelikte – in der Regel handelt es sich hierbei um Unternehmensangehörige, die eine Betreuungspflicht über das Vermögen des Unternehmens haben, wie etwa das Management, ein Prokurist, ein leitender Angestellter mit finanziellen Verfügungsgewalten – treffen Unternehmen hart. Oft handelt es sich bei den Tätern um Mitarbeiter mit langer Unternehmenszugehörigkeit, die zentrale Positionen bekleiden und hohes Vertrauen genießen. Hier kann gerade bei mittelständischen Unternehmen das betriebsinterne Vertrauen sowohl vom als auch zum Management nachhaltig gestört werden. Zu den finanziellen Schäden kommen Image- und Reputationsschäden, die häufig nachhaltig wirken und kaum in Geld zu bemessen sind.
Ab welcher Unternehmensgröße wird Compliance wichtig?
Weitestgehend wird unter Compliance die gesamte Organisation zur Einhaltung von Gesetzen, Vorschriften und Richtlinien verstanden – also, dass weder das Unternehmen aus regelwidrigem Verhalten jemanden schädigt, noch dass das Unternehmen selbst durch regelwidriges Verhalten Schäden erleidet. Gerade aus dem letztgenannten Sachverhalt heraus wird es spannend für alle Unternehmensgrößen. Dass das Unternehmen keinen (finanziellen oder Reputations-) Schaden erleiden soll, ist unbedingt im Interesse aller Geschäftsinhaber und letztlich auch aller Mitarbeiter.
Compliance bedeutet gerade für kleinere Unternehmen nicht, dass sie eine neue – parallele – Organisation mit viel Bürokratie aufbauen und neue Mitarbeiter dafür einstellen müssen. Im Gegenteil: das rechtmäßige Verhalten geht jeden Mitarbeiter etwas an und von jedem Mitarbeiter aus. Wir überschätzen gerne, was durch Anweisungen oder Vorschriften erreicht werden kann – es kommt darauf an, wie sich die Unternehmensleitung zu dem Thema stellt und wie sie es selbst vorlebt. Und das wiederum hängt überhaupt nicht von der Größe eines Unternehmens ab.
Warum sind einige Unternehmen in Sachen Compliance nicht gut genug aufgestellt?
Gerade aus dem Letztgenannten wird deutlich, dass es auf die Unternehmensleitung ankommt. Wir nennen das gerne ›tone from the top‹. Wenn dieser Ton nicht stimmt, kann auch im Unternehmen keine Kultur der Ehrlichkeit einziehen. Andererseits haben viele Unternehmen heute noch mit den Nachwehen der Finanzkrise zu kämpfen und können sich nicht um alle Themen gleichzeitig kümmern; da fällt dann Compliance auch schon mal hinten runter, weil landläufig noch angenommen wird, dass man damit kein Geld verdienen, sondern dieses eher noch verlieren kann. Aber dieser Schein trügt. Compliance kann auch ein Wettbewerbsvorteil, insbesondere für den Mittelstand, sein. Die großen Unternehmen prüfen zunehmend ihre Lieferanten auf compliancerelevantes Verhalten. Wer das nicht nachweisen kann, verliert durchaus auch die lukrativen Aufträge der Großkunden. Und spätestens dann wird deutlich, dass Compliance ein Baustein für die Investition in die unternehmerische Zukunft ist.
Worauf sollten Unternehmensgründer achten?
Bei jedem Geschäft – egal ob neu oder alt – sollte klar sein, dass es rechtskonform ist. Jeder – auch neue – Mitarbeiter sollte von der Geschäftsleitung vernommen haben, wie wichtig korrektes Verhalten ist und dass Verstöße konsequent geahndet werden. Jeder Unternehmensgründer kann solche Wertmaßstäbe vorgeben und leben, egal, ob er 5, 500 oder 50.000 Mitarbeiter hat.
Vielen Dank, Frau Galley.