»Internationale Korruption ist der eigentliche Grund für die Armut der Menschen in der Dritten Welt«, lässt der charismatische Redner beim Königsteiner Salon den gebannten Zuhörer wissen. Es ist nicht irgendein Redner, dort im Restaurant ›Lodge‹ des Opel Zoos in Königstein im Taunus, der vor einem interessierten Auditorium dieses Statement aus dem Fundus seiner Erfahrungen abgibt. Es ist Professor Dr. Peter Eigen, ein stattlicher Mann Anfang 70. Peter Eigen ist bekannt – nicht nur in Deutschland, sondern in der ganzen Welt. Er ist der personifizierte Kampf gegen Korruption. Wie kam es dazu?

Eigen erzählt dem Publikum, dass seine verstorbene Ehefrau Dr. Jutta Eigen viel dazu beigetragen hat. Während der gemeinsamen Zeit in Afrika war sie mit größtem Engagement als Ärztin in den entlegenen Gebieten Kenias bemüht, den Ärmsten der Armen medizinische Hilfe zu gewährleisten. Unter den schwierigsten Bedingungen, oftmals in einfachen Wellblech- oder Lehmhütten ohne jedwede Hygieneeinrichtungen, behandelte Jutta Eigen kostenfrei ihre Patienten. Eine AIDS-Klinik hätte die hohe Sterblichkeit vor allem von Kindern und Müttern deutlich gesenkt. Die Weltbank, für die Peter Eigen in Afrika verantwortlich war, finanzierte auch damals große Projekte vor Ort. Unter vielen anderen sollte eines dieser Projekte diese Klinik sein, auf die die Patienten seiner Ehefrau so sehr warteten. Millionen US-Dollar flossen dafür – nur leider wurde dieses Krankenhaus nie gebaut. Das Geld versickerte in den Gängen der dortigen Regierungsministerien und landete wahrscheinlich auf Nummernkonten in der Schweiz. Jutta Eigen machte ihrem Ehemann große Vorwürfe. Die Gespräche und Diskussionen Zuhause motivierten Peter Eigen seinerseits, über seine Position bei der Weltbank Korruptionsfälle ans Tageslicht zu befördern und ihnen den Kampf anzusagen. Damit machte er sich keine Freunde.

Peter Eigen verließ 1993 nach 25 Jahren frustriert die Weltbank, um seinen Kampf gegen Korruption außerhalb internationaler Institutionen aufzunehmen. Und das tat er auch mit Erfolg. Er zog mit seiner Familie nach Deutschland, nach Berlin und gründete Transparency International, eine gemeinnützige Organisation, die heute in der ganzen Welt für Transparenz und Glaubwürdigkeit steht. »Ich glaubte schon damals an die kollektive Stärke von Menschen mit einer Vision. Ich war mir sicher, dass zivilgesellschaftliche Organisationen in Zusammenarbeit mit Regierungen, IGOs  und Unternehmen in den folgenden Jahren eine bedeutende Rolle in der internationalen Politik spielen werden«, erinnert sich Peter Eigen an diese Zeit während unseres persönlichen Gesprächs einige Tage nach seinem Vortrag.

Noch bis 1999 war es für deutsche Unternehmen möglich, ganz offiziell im Ausland getätigte Korruption als Werbungskosten steuerlich abzusetzen. Damit war Bestechung sozusagen nicht nur staatlich geduldet, sondern sogar staatlich gefördert. Erst die Arbeit von Transparency International brachte über eine OECD Konvention schließlich das Verbot von internationaler Korruption in unser deutsches Gesetz.

Warum aber ist Korruption zu einem großen Teil für die Armut in dieser Welt verantwortlich? »Durch Bestechung von Einfluss nehmenden Personen werden Projekte gefördert, die für den, der die Gelder erhält, ausgesprochen lukrativ sind. Ebenso für denjenigen, der diese Projekte vermittelt. Für die dort lebende Bevölkerung machen sie aber oftmals keinen Sinn, bzw. wären andere Projekte möglicherweise deutlich nutzbringender«, erklärt mir Eigen und berichtet weiter: »Abgesehen davon stehen große Summen den Projekten gar nicht mehr zur Verfügung, sondern verschwinden auf den Privatkonten der teilnehmenden Personen. Milliarden von Entwicklungsgeldern sind auf diese Weise für die Bereicherung Einzelner geflossen, anstatt dem Ziel der Entwicklungshilfe zu dienen.« Auch heute noch gibt es viele Stimmen, die behaupten, dass in anderen Ländern die Auftragsvergabe ausschließlich über Bestechung funktioniert. Ohne diese Vorgehensweise würden unsere deutschen Unternehmen keine Aufträge im Ausland erhalten. Peter Eigen ist dazu sehr deutlich: »Das ist Unsinn! Es ist nicht nur eine Frage der Moral und Ethik, ob sich Unternehmen durch das Mittel der Bestechung Aufträge verschaffen. Der hohe Qualitätsstandard deutscher Unternehmen setzt sich auch ohne Bestechung durch.« Mit Zuversicht und Optimismus fügt Eigen während unseres Gespräches noch an: »Außerdem, wenn sich in der Welt alle einig sind, dass Bestechung schlecht ist und rechtlich geahndet werden muss, wird sukzessive die Korruption ausgemerzt werden. Einer muss immer den ersten Schritt machen.«

Einer hat diesen ersten Schritt gemacht: Professor Dr. Peter Eigen. Ist es nicht manches Mal einsam und entmutigend im Kampf gegen Korruption? Der weißhaarige Peter Eigen lächelt und zieht die buschigen Augenbrauen hoch: »Wir haben im Kampf gegen Internationale Korruption schon so viel erreicht und wir machen weiter. Vielleicht ist es die Gelassenheit des Alters, die mich niemals entmutigt werden lässt.« Peter Eigen ist heute erneut verheiratet und lebt mit seiner zweiten Ehefrau – Gesine Schwan – nach wie vor in Berlin. Dennoch ist Peter Eigen ständig unterwegs, um international für den Kampf gegen Korruption einzustehen.

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