Das Sozialunternehmen (›Social Business‹) gilt als Erfindung des 21. Jahrhunderts: Ziel dieser Unternehmensform ist es, die Welt zu verbessern und gleichzeitig Gewinne zu machen.

Armut, Arbeitslosigkeit, fehlende Integration gesellschaftlicher Randgruppen – die Vielfalt an Problemen, mit denen die Welt zu kämpfen hat, überschreitet die Kapazität von Staaten und internationalen Organisationen. Social Businesses suchen nach Lösungen. Das bekannteste Beispiel ist die Grameen Bank. In 2006 erhielt ihr Gründer Professor Muhammad Yunus für seine Idee der Mikrokredite und deren Umsetzung den Friedensnobelpreis.
Großbanken waren aufgrund fehlender Sicherheiten nicht bereit, den armen Bevölkerungsschichten in Bangladesch Kredite zu gewähren. Professor Yunus erkannte dies als das Haupthindernis für deren wirtschaftliche Entwicklung und begann mit der Grameen Bank, Mikrokredite zur Verfügung zu stellen.

Die Kleinstkredite werden ohne die Forderungen nach den üblichen Sicherheiten vergeben. Bei der Kreditvergabe spielt das Vertrauen gegenüber dem Kreditnehmer und die Erfolgsaussichten der Mittelverwendung eine wesentliche Rolle. Der Hauptfaktor für den Erfolg ist allerdings ein gesellschaftlicher.

Die Kreditvergabe erfolgt immer an eine Gemeinschaft, die aus mindestens fünf Personen besteht. Als Kreditnehmer sind zwei Personen direkt von der Kreditvergabe betroffen, während die anderen indirekt an dem Kredit beteiligt sind. Sollten die Kreditnehmer ihren Kredit nicht planmäßig zurückzahlen, bedeutet dies, dass keiner aus der Gemeinschaft einen neuen Kredit erhält. Diese Kreditvergabepraxis hat sich als sehr erfolgreich herausgestellt. Die Rückzahlungsquote liegt bei 98 Prozent.

Betrugen die Mikrokredite ursprünglich oft unter 50 USD und wurden für den Kauf von Saatgut, Milchkühen und Ziegen verwendet, liegen sie aktuell zwischen 390 USD und 23.210 USD und werden zur Anschaffung von landwirtschaftlichen Maschinen, Wasserpumpen, Fischerbooten und Transportmitteln verwendet.
Ein weiteres sehr beeindruckendes Beispiel eines Social Businesses ist die Firma CEMEX. Das mexikanische Unternehmen ist der drittgrößte Zementproduzent der Welt.

Während der mexikanischen Wirtschaftskrise Mitte der 1990er brach der Gesamtumsatz um 50% ein, während der Umsatz des Do-It-Yourself-Segment´s lediglich um 10% bis 15% zurückging. Ein Ausbau des Do-It-Yourself-Segments würde somit eine Stärkung der Umsatzkontinuität und ein Unternehmenswachstum mit sich bringen.
Sparen ist für arme Bevölkerungsschichten meist sehr schwierig. Wird Geld für einen Arztbesuch, Schulbildung oder die Verbesserung der Unterkunft benötigt, wird der Betrag meist von mehreren Familien zusammengelegt. Auf dieser Basis hat CEMEX ein Finanzierungskonzept entwickelt: das Patrimonio Hoy. Das Patrimonio Hoy sieht vor, dass drei Familien sogenannte Socios bilden und anfangen, je 105 Pesos pro Woche zu sparen. Bereits nach 2 bis 5 Wochen erfolgreichen Ansparens erhalten Sie von CEMEX einen Warenkredit in Höhe von 1050 Pesos.

Bis Ende 2008 haben insgesamt 220.000 mexikanische Familien vom Patrimonio Hoy profitiert. Es wurden 122.000 Zimmer à 10 qm gebaut. Von den 110 Millionen USD, die als Kredit vergeben wurden, sind 99% zurückgezahlt worden.

Dies sind nur zwei von vielen Beispielen, wie Unternehmen soziale Aufgaben lukrativ wahrnehmen können.

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